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Über den bisexuellen Regenschirm

Vielleicht denkt ihr euch jetzt „bitte was?!“ – aber lasst mich erklären….

Im Englischen gibt es den Begriff umbrella term, Überbegriff. Bisexualität ist nicht nur eine eigene Identität, sondern auch genau das – ein Überbegriff über viele nicht-monosexuelle Anziehungsarten (also Anziehung, die sich nicht nur auf ein Geschlecht bezieht). Deshalb schreiben wir oft bisexuell*, bi* und deshalb heißen wir auch visiBi*lity Austria. Der Ursprung des Begriffes selber ist ungeklärt.

Wie schon im Bisexual Manifesto, das 1990 im Magazin Anything That Moves veröffentlich wurde, stand:

Bisexuality is a whole, fluid identity. Do not assume that bisexuality is binary or duogamous in nature: that we have „two“ sides or that we must be involved simultaneously with both genders to be fulfilled human beings. In fact, don’t assume that there are only two genders. Do not mistake our fluidity for confusion, irresponsibility, or an inability to commit. Do not equate promiscuity, infidelity, or unsafe sexual behavior with bisexuality. Those are human traits that cross all sexual orientations. Nothing should be assumed about anyone’s sexuality, including your own.

Anything That Moves Manifesto

Frei übersetzt:

Bisexualität ist eine ganze, fließende Identität. Nehmt nicht an, dass Bisexualität von binärer oder duogamer Natur wäre: dass wir „zwei“ Seiten hätten oder dass wir mit beiden Geschlechtern gleichzeitig involviert sein müssen um zufriedene Menschen zu sein. Geht nicht mal davon aus, dass es nur zwei Geschlechter gäbe. Versteht unsere fließende Identität nicht als Verwirrung, Verantwortungslosigkeit oder Unfähigkeit uns zu binden. Stellt Promiskuität, Untreue oder unsicheres sexuelles Verhalten nicht gleich mit Bisexualität. Das alles sind menschliche Eigenschaften, die Menschen aller sexueller Orientierungen betreffen. Über keine Sexualität sollten Mutmaßungen angestellt werden, nicht mal über die eigene.

Leider herrscht gerade im deutschsprachigen Raum immer noch die Meinung vor, dass bisexuell automatisch die Anziehung zu zwei Geschlechtern bedeutet. Dass dem nicht so ist, zeigt nicht nur dieses Zitat, sondern auch die inzwischen sehr geläufige Definition von Bisexualität der Autorin und Aktivistin Robyn Ochs:

I call myself bisexual because I acknowledge that I have in myself the potential to be attracted–romantically and/or sexually–to people of more than one gender, not necessarily at the same time, in the same way, or to the same degree.

Wieder frei übersetzt:

Ich bezeichne mich als bisexuell, weil ich anerkenne, dass ich in mir das Potential habe, mich – romantisch und/oder sexuell – zu Menschen mehr als eine Geschlechts hingezogen zu fühlen, nicht notwendigerweise zur selben Zeit, auf die selbe Art oder in der selben Intensität.

Menschen lieben Labels und auch wenn wir uns natürlich wünschen, dass diese irgendwann nicht mehr notwendig sein werden, geben sie momentan doch ein Zugehörigkeitsgefühl und können helfen, sich selbst zu finden. Gleichzeitig sind Labels aber nicht fix, ebensowenig wie Sexualität oder romantische Anziehung an sich. Der Überbegriff kann sehr stark ausdifferenziert werden, wobei jedes Label eine eigene, berechtigte Identität ist, die niemandem abzusprechen ist. Hier ein paar Beispiele (ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder 100%ige Korrektheit; wie wir vom Begriff „bisexuell“ wissen, sind Begriffe ständig im Wandel):

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